📚 Ratgeber
Haus Baujahr 1960 bis 1970 kaufen: Was häufig saniert werden muss
Häuser aus den 1960er- und 1970er-Jahren machen einen großen Teil des Angebots aus: oft gute Lagen, großzügige Grundstücke und solide Grundsubstanz. Gleichzeitig wurden sie nach damaligen Standards gebaut – und viele Bauteile sind inzwischen deutlich älter als ihre typische Nutzungsdauer, sofern sie nicht schon modernisiert wurden.
Die typischen Baustellen im Überblick
🔥 Heizung
Viele Häuser dieser Zeit wurden ursprünglich mit Öl beheizt. Ist die Heizung noch nicht erneuert, prüfe das Baujahr auf dem Typenschild. Sehr alte Öl- und Gaskessel können unter die Austauschpflicht des Gebäudeenergiegesetzes fallen – mehr dazu im Ratgeber Heizung älter als 30 Jahre.
⚡ Elektrik
Die Elektroinstallation ist in dieser Baualtersklasse häufig noch ganz oder teilweise original: wenige Stromkreise, Schraubsicherungen, oft kein FI-Schutzschalter und teils zweiadrige Leitungen ohne Schutzleiter. Für heutige Anforderungen – Küche, Homeoffice, E-Auto – reicht das oft nicht aus.
🚿 Leitungen
In dieser Zeit wurden häufig verzinkte Stahlrohre für das Trinkwasser verbaut. Sie können von innen korrodieren – typische Anzeichen sind bräunliches Wasser und nachlassender Wasserdruck.
🏠 Dach
Viele Dächer sind nur gering oder gar nicht gedämmt. Bei Flachdächern, die in den 70er-Jahren beliebt waren, lohnt ein besonders genauer Blick auf Abdichtung und Wasserflecken an den Decken darunter.
🧱 Fassade & 🪟 Fenster
Außenwände sind oft ungedämmt, Fenster teilweise noch mit frühen Isolierverglasungen. Beides wirkt sich direkt auf den Energiebedarf aus – und damit auf die Effizienzklasse im Energieausweis.
Achtung Schadstoffe: Asbest
Asbest ist in Deutschland seit 1993 verboten, wurde aber in den 60er- und 70er-Jahren häufig verbaut – zum Beispiel in Faserzementplatten an Dach und Fassade, in bestimmten Bodenbelägen und Klebern oder in Nachtspeicheröfen. Solange asbesthaltige Bauteile intakt sind und nicht bearbeitet werden, geht davon in der Regel keine akute Gefahr aus. Bei einer Sanierung müssen sie aber fachgerecht und mit Schutzmaßnahmen entfernt werden. Frag den Verkäufer gezielt danach und zieh bei Verdacht einen Fachbetrieb oder Sachverständigen hinzu.
Pflichten nach dem Kauf
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) sieht für Bestandsgebäude einige Nachrüstpflichten vor, etwa die Dämmung der obersten Geschossdecke bzw. des Dachs oder die Dämmung zugänglicher Heizungsrohre in unbeheizten Räumen. Wer ein Ein- oder Zweifamilienhaus kauft, hat für solche Pflichten in der Regel zwei Jahre ab Eigentumsübergang Zeit. Welche Pflichten für ein konkretes Haus gelten, kann dir ein Energieberater sagen.
Checkliste für Häuser aus den 60ern und 70ern
- Welche Gewerke wurden wann modernisiert?
- Baujahr und Art der Heizung
- Verteilerkasten: Sicherungsautomaten und FI-Schalter vorhanden?
- Material der Wasserleitungen
- Dämmung von Dach bzw. oberster Geschossdecke
- Hinweise auf asbesthaltige Bauteile
- Energieausweis und Effizienzklasse
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Haus aus den 70er-Jahren?
Das kann sich lohnen – oft sind Lage und Grundsubstanz gut. Entscheidend ist, welche Gewerke bereits modernisiert wurden und welcher Sanierungsbedarf noch ansteht. Diesen solltest du vor dem Kauf einschätzen und in deiner Finanzierung und Kaufpreisverhandlung berücksichtigen.
Woran erkenne ich Asbest im Haus?
Mit bloßem Auge lässt sich Asbest nicht sicher erkennen. Verdächtig sind bei Häusern aus dieser Zeit vor allem Faserzementplatten, alte Bodenbeläge und Kleber sowie Nachtspeicheröfen. Sicherheit bringt nur eine Materialprobe durch ein Fachlabor.
Muss ich nach dem Kauf eines alten Hauses sanieren?
Eine allgemeine Sanierungspflicht gibt es nicht. Das Gebäudeenergiegesetz sieht aber einzelne Nachrüstpflichten vor, zum Beispiel für die Dämmung der obersten Geschossdecke oder den Austausch sehr alter Heizkessel. Beim Kauf eines Ein- oder Zweifamilienhauses gilt dafür in der Regel eine Frist von zwei Jahren.
Sanierungsbedarf in 2 Minuten einschätzen
Trag die Baujahre von Dach, Heizung, Elektrik, Leitungen, Fassade und Fenstern ein – der kostenlose Immoknoten Sanierungsscore zeigt dir per Ampel, welche Gewerke ihre typische Nutzungsdauer erreicht haben.
Jetzt Sanierungsscore Check starten! 📊
In 2 Minuten fertig Keine Registrierung Kostenlos
Weitere Ratgeber
Checkliste Hausbesichtigung: Sanierungsbedarf vor dem Kauf erkennen
Dach, Heizung, Elektrik, Leitungen, Fassade und Fenster: woran du bei der Besichtigung erkennst, was bald ansteht.
Kaufpreis verhandeln: Sanierungsbedarf als sachliches Argument nutzen
Wie du anstehende Sanierungen sachlich begründest und mit Einstiegsgebot und Schmerzgrenze in die Verhandlung gehst.
Energieeffizienzklasse F, G oder H: Was das für Käufer bedeutet
Was hinter einer schwachen Effizienzklasse steckt, welche Bauteile meist die Ursache sind und worauf du achten solltest.
Heizung älter als 30 Jahre: Austauschpflicht beim Hauskauf
Welche alten Heizkessel ausgetauscht werden müssen, welche Ausnahmen gelten und welche Frist nach dem Kauf läuft.
